Private Homepage von Daniel Rüd
Ausbildung zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung bei der Dresdner Bank in Frankfurt
Mein persönlicher Erfahrungsbericht.
Ich möchte dir etwas über die Ausbildung zum Fachinformatiker, Fachrichtung Anwendungsentwicklung bei der Dresdner Bank erzählen, die ich von August 2000 bist Juni 2003 durchlaufen habe. Der Ausbildungsverlauf ist in großen Teilen identisch mit dem Verlauf der Ausbildung bei der Siemens AG.
Bewerberauswahl
Kurz nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt hatte, bekam ich umgehend eine Einladung zu einem persönlichen Kennenlernen im Rahmen eines Bewerberauswahl-Tages, der im Kommunikations- und Trainings-Center der Dresdner Bank in Königstein stattfinden sollte.
Die restlichen Bewerber und ich sowie einige Ausbilder und Mitarbeiter der Personalabteilung des Unternehmens trafen uns dazu in Frankfurt am Main am Jürgen-Ponto-Hochhaus und fuhren gemeinsam mit dem Bus ins nicht all zu weit entfernte Königstein im Taunus.
Dort angekommen wurde uns erst einmal kurz der weitere Tagesablauf erläutert.
Nach einem kleinen Vortrag über das Unternehmen Dresdner Bank kamen wir als Bewerber zum ersten Mal zu Wort: Wir sollten uns den anderen vorstellen und etwas über uns und unsere Hobbies erzählen. Das gleiche taten auch die Ausbilder. Im Anschluss daran ging es an den schriftlichen Einstellungstest, der aus mehreren Teilen bestand: einem Mathematik-Test (vorwiegend Themen aus der Oberstufe), mehreren Logik-Tests sowie einem Englisch-Test. Einige Tests waren in der Kürze der Zeit nicht vollständig zu lösen, was aber wahrscheinlich beabsichtigt war.
Nach dem, an die Tests anschließenden, gemeinsamen Mittagessen ging es an die Diskussionsrunden. Hier wurde die komplette Bewerbergruppe in zwei kleinere zufällig zusammengesetzte Teams aufgeteilt. Die Teams mussten dann zu zwei verschiedenen Themen diskutieren und innerhalb von einer vorgegebenen Zeit zu einer gemeinsamen Lösung kommen. In der ersten Diskussion ging es um ein soziales Thema, in der zweiten um ein mathematisches Problem.
Nachdem auch diese Aufgaben erledigt waren, wurden persönliche Bewerbungsgespräche geführt. Anzumerken ist hier, dass in den meisten Fällen der Gesprächspartner nach einer Einstellung auch dann der persönliche Betreuer und Ausbilder während der gesamten Ausbildung wurde.
Die Information, dass die Dresdner Bank sich - zu meiner Freude - für meine Einstellung entschieden hatte bekam ich wenige Tage danach telefonisch mitgeteilt.
Ausbildung
Die Ausbildung wurde in Kooperation mit der Siemens AG durchgeführt und bestand aus drei Säulen:
- Theorie
Das theoretische Grundwissen wurde durch die staatlich anerkannte Berufsschule von Siemens, der ATIW gGmbH in Paderborn, vermittelt. - Praxis
In einer Abteilung der Dresdner Bank wurde das in der Berufsschule angeeignete Wissen praktisch angewandt. - Zusatzqualifikation
Mehr als zwei dutzend, meist einwöchige Seminare, die weit über die, von der IHK vorgeschriebene Anforderung an einen Fachinformatiker hinausgingen, bildeten die dritte Säule.
Nach ungefähr der Hälfte der Ausbildung erfolgte eine Zwischenprüfung durch die Industrie- und Handelskammer, die zwar jeder Auszubildende mitschreiben, aber nicht bestehen musste.
Am Ende der Ausbildung stand eine Abschlussprüfung, die sich aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil zusammensetzte.
Theorie in der Berufsschule
Der Berufsschulunterricht wurde blockweise gehalten, wobei jeder einzelne der insgesamt fünf Blöcke jeweils sechs bis acht Wochen dauerte.
Die Berufsschule, eine staatlich anerkannte Schule von Siemens, die ATIW gGmbH befand sich in Paderborn, einem kleinen netten Städtchen in Nordrhein-Westfalen. Die Unterkunft in Paderborn wurde vom Koorperationspartner Siemens bereitgestellt. Hierbei handelte es sich zumeist um Einzelwohnungen oder Zweier-Wohngemeinschaften in denen man mit Klassenkameraden untergebracht war.
Die Berufsschule an sich war ein Traum! Ich habe zwar kein Vergleich zu einer staatlichen Berufsschule, da ich nie dort war, halte es aber sehr unwahrscheinlich, dass dort die gleichen Unterrichtsbedingungen herrschen: Das ATIW hatte etliche Laborräume, die für jeden Schüler und Schülerin einen PC boten. Im Laufe der Ausbildung wurden vermehrt auch Klassenräume mit PCs ausgestattet; die Monitore (alles Flat-Screens) ließen sich hierbei in den eigens vom ATIW entwickelten Tischen absenken, so dass man in den theoretischen Stunden genug Platz zum Schreiben hatte.
Auch die Lehrer waren anders eingestellt, als ich es bisher kannte. Vielleicht lag es daran, dass sie keine Beamten waren, sondern normale Angestellte, jedenfalls waren sie sehr motiviert und es fielen auch recht selten Unterrichtsstunden aus. Selbst theoretische und in der Regel langweiligere Fächer, wie z.B. Wirtschafts- und Geschäftsprozesse, wurden interessant und kurzweilig gestaltet.
Als Fachinformatiker in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung wurde man am ATIW in folgenden Fächern unterrichtet:
- AEW (Hauptfach) = Anwendungsentwicklung (in C, C++, PHP)
- ITS (Hauptfach) = Informationstechnische Systeme (Netzwerk, Datenbanken, etc.)
- WGP (Hauptfach) = Wirtschafts- und Geschäftsprozesse (BWL)
- Englisch (Nebenfach) = Fachliches Englisch, sehr computernahe Themen
- Politik (Nebenfach) = Allgemeine politische Themen
- Deutsch (Nebenfach) = Nur zwei Blöcke (Geschäftsbriefe und Bewerbungen)
- Sport (Nebenfach) = Kein direkter Unterricht, sportliche Betätigung
Praxis im Unternehmen
Die Praxisphase, die ungefähr die Hälfte der Ausbildung ausmachte, absolvierte ich in einer Abteilung der Dresdner Bank. Hierin lag ein großer Unterschied zur Ausbildung, die man direkt bei Siemens machen konnte. Siemens sorgte dafür, dass man immer in eine andere Abteilung kam um möglichst viele verschiedene Bereiche kennen zu lernen, während man hingegen bei der Dresdner Bank immer in der gleichen Abteilung eingesetzt war.
Meine Praxisabteilung war zuständig für Datengewinnung im Hinblick auf die Meldepflicht gemäß Kreditwesen-Gesetz (KWG). Mit meinen Kollegen verstand ich mich auf Anhieb recht gut und war auch schnell mit ihnen per-du, ebenso mit meinem Vorgesetzten.
Die Aufgaben, die ich während meiner Zeit im Unternehmen bekam, waren recht vielseitig. Es war zwar zu keinem Zeitpunkt so, dass ich an Neuentwicklungen und Projekten direkt beteiligt war, aber ich erhielt kleinere Aufgaben, die entweder die Wartung und Pflege bestehender Systeme betrafen oder aktuelle Projekte unterstützten. Beispiel: eine kleine Anwendung, die ich gemacht habe, war eine statistische Auswertung von Datenbank-Lade-Prozessen. So konnten die Entwickler anhand der Daten und grafischen Auswertungen bequem über Intranet erfahren, ob z.B. Tuningmaßnahmen auch wirklich den gewünschten Erfolg gebracht haben.
Hier ein paar weitere Aufgaben, die ich bekommen habe. Natürlich ist diese Liste nicht vollständig:
- Pflege von COBOL-Modulen : Hin und wieder änderten sich gesetzliche Vorgaben oder die zu verarbeitende Datenmenge wurde immer größer, so dass Änderungen an seit Jahren im Betrieb befindlichen COBOL-Modulen vorzunehmen waren.
- Test einer Web-Applikation : Eine Web-Anwendung hatte ich auf Herz und Niere im Hinblick auf Sicherheit sowie Optimierungsmöglichkeiten zu testen.
- Projekt “Knowledge-Base” : Dies war mein Abschlussprojekt, auf das ich später noch ausführlicher eingehen werde. Es wurde in Java programmiert.
Zusatzqualifikation durch Seminare
Das besondere an der Ausbildung zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung bei der Dresdner Bank bzw. bei dem Kooperationspartner Siemens war, dass eine Reihe von Zusatzqualifikationen erworben wurde, die weit über das Anforderungsprofil der IHK für diesen Beruf hinaus gehen.
Die Seminare fanden teilweise in Frankfurt in der Dresdner Bank-Zentrale, teilweise in der Ausbildungszentrale von Siemens in Paderborn statt und schlossen sich zumeist an einen Berufsschul-Block an.
Bei den Seminaren, wurden die verschiedensten Themen behandelt, von ABAP-Programmierung über Marketing, Software-Engeneering und Total Quality Management bis hin zur Web-Programmierung.
Darüber hinaus erwarb man noch ein international anerkanntes Englisch-Zertifikat der Universität Cambridge, vorausgesetzt man erfüllte die hoch gesteckten Anforderungen.
Hier die Seminare, an denen man während der Ausbildung teilnahm:
- Betriebssysteme und Netze (5 Seminare)
- PC-Betriebssysteme
- Betriebssystem UNIX / Erweiterte Shell-Funktionen
- Internet / Intranet
- Grundlagen Netze
- Windows Netzwerkfunktionalitäten - Programmiersprachen und Datenbankprogrammierung (5 Seminare)
- Datenbankabfragesprache SQL
- R/3 Systemarchitektur und Programmiersprache ABAP/4
- Programmiersprache JAVA
- Programmierung von Datenbankschnittstellen
- Serverseitige Web-Programmierung - Tools und Methoden (4 Seminare)
- Office-Applikationen unter Windows
- Projektmanagement und MS-Project
- Systementwicklung mit strukturierten Methoden
- Systementwicklung mit objektorientierten Methoden - Anwendungsbezogene Wirtschaftslehre (5 Seminare)
- Total Quality Management
- Prozessmanagement und Logistik
- Unternehmensplanspiel INSIM
- Marketing
- Marktorientierung - Soziale Kompetenz (5 Seminare)
- Auszubildenden-Auftaktprogramm
- Kommunikation und Teamarbeit
- Rhetorik und Präsentation
- Persönliche Standortbestimmung und Stärkung des Selbstbewusstseins
- Vertriebliches Verhalten - Englisch (3 Seminare)
- English communication and comprehension
- mit Abschluss des “First Certificate In English” der Universität Cambridge
Abschlussprüfungen
Die Abschlussprüfung für den Ausbildungsberuf des Fachinformatikers in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung enthielt zwei Prüfungsteile. Der erste Prüfungsteil “A” war der Praktische und der zweite Teil “B” der Theoretische. Beide wurden vor der IHK Bielefeld abgelegt.
Prüfungsteil “B” wurde allerdings zuerst abgeprüft. Er bestand aus der schriftlichen Abschlussprüfung, die in drei Teile untergliedert war:
- Ganzheitliche Aufgabe I
Hier wurde die fachliche Qualifikation speziell für Anwendungsentwickler abgeprüft; z.B. Programmieren eines Sortier-Algoritmus in Pseudo-Code - Ganzheitliche Aufgabe II
Hier wurde die fachliche Kern-Qualifikation abgeprüft, mit Fragen z.B. zu WLAN, Bluetooth, Speichermedien etc. Dieser Teil der Prüfung ist bei den Anwendungsentwicklern und Systemintegratoren identisch. - Wirtschaft und Sozialkunde (Multiple Choice)
Hier wurden allgemeine Wirtschafts- und Sozialfragen gestellt, z.B. zu Rechtsformen bei Unternehmen, zun Kündigungsschutz etc.
Die schriftliche Prüfung, die -wie in den Jahren zuvor- von vielen Auszubildenden und auch Ausbildenden immer wieder als zu schwer und ohne Bezug zum Unterricht in der Berufsschule kritisiert wurde, fiel in meiner Klasse besser als erwartet aus. Allerdings traf das auf mich nur bedingt zu, mein Ergebnis lag bei 79%, was einer guten Drei entsprach.
Der praktische Prüfungsteil, sollte bei mir dafür umso besser werden. Er bestand im Wesentlichen aus einem Projekt, das in dem ausbildenden Unternehmen durchgeführt werden musste. Hierzu wurde von der IHK ein Zeitfenster von 70 Stunden für die Projektplanung, -durchführung und -dokumentation vorgegeben. Als Ergebnis des Projekts verlangte die IHK eine Dokumentation, die auch benotet wurde und zur Hälfte in die Note des praktischen Prüfungsteils einging.
Ich hatte als Abschlussprojekt die Entwicklung einer “Knowledge Base” mit JavaServlets, die zur Unterstützung der Entwickler in meiner Abteilung gedacht war. Vorhandenes Wissen, wie z.B. spezielle Lösungen bei Software-Problemen, Bugs etc. sollten in die Datenbank eingestellt werden können und anschließend für jeden Developper in der Abteilung per Internet verfügbar sein. Damit sollte vor allem Zeit bei der Lösungsfindung eingespart werden.
Dieses Projekt sollte man dann nach Beendigung dem Prüfungsausschuss der IHK präsentieren. Die Projekt-Präsentation war mit 15 Minuten vorgegeben und an sie schloss sich ein 15 minütiges Fachgespräch an, welches die Prüfer in der Regel dazu nutzen, um zu erfahren, ob der Prüfling die Projektarbeit auch wirklich selbst erstellt hat.
Dieser Prüfungsteil war ein voller Erfolg für mich: 98% auf Dokumentation und Präsentation, was in der Gesamtnote 89% ergab; eine gute Zwei.
Du hast Interesse bekommen?
Wer nun Lust auf diese Ausbildung bekommen hat, dem sei gesagt, dass die Dresdner Bank AG aus Kostengründen die Ausbildungsinhalte stark reduziert hat und dadurch einige Seminare wegfallen werden.
Ab dem Jahr 2004 werden innerhalb der Bank keine Fachinformatiker mehr ausgebildet! Eine Bewerbung für einen Ausbildungsplatz ist somit überflüssig.
Wer dennoch eine identische Ausbildung machen möchte, sollte sich direkt bei Siemens bewerben oder bei einem der anderen Kooperationspartner.
Fragen an mich oder zur Ausbildung?
Dann bitte erst einmal einen Blick auf www.fachinformatiker.in werfen, denn dort habe ich viele Fragen beantwortet, die ich in den letzten Jahren per E-Mail gestellt bekommen habe. Sollte deine Frage dort nicht beantwortet werden, einfach eine Mail über das Kontaktformular an mich senden.


