Daniel Rüd

Warum gleich von 0 auf 226?

Sinnvoller Aufbau über mehrere Jahre oder doch die Schnellschuss-Variante?

Welche Distanz und wann?

Wie es überhaupt zu einem Gedanken an eine Teilnahme bei einem Triathlon- Wettkampf gekommen ist, habe ich ja bereits geschrieben, wie aus dieser Idee aber Wirklichkeit wurde und warum es gleich die 226km lange Volldistanz sein musste und auch noch innerhalb von 12 Monaten, das möchte ich hier erzählen.

Mit nüchternem Kopf sieht die Welt anders aus – oder auch nicht

Zugegeben, als Applejack mir von seinen Erfahrungen vorschwärmte und mich heiß auf eine Ironman-Teilnahme machte, hatte ich schon einige Weizenbier getrunken und sicherlich sind in diesem Zustand die Hemmungen etwas niedriger, trotzdem war es mir auch in diesem Moment ernst mit dem, was ich sagte. Auch Applejack schrieb mir -direkt nachdem ich ihm mitteilte, dass ich mich für Frankfurt angemeldet hätte- folgenden Satz:

Dass dir das ernst war, hab ich gleich gemerkt. Wenn jemand so ein Funkeln in den Augen hat, weiß man, dass er verrückt genug ist…

Man könnte also sagen, die Entscheidung für die Teilnahme beim Ironman 2008 in Frankfurt ist bereits in der Nacht vom 30.April auf den 1.Mai 2007 gefallen. Doch ganz so war es nicht. Natürlich war der Abend ein Auslöser, der mich dazu bewegte, mich in den folgenden Wochen ernsthaft mit dem Triathlon auseinanderzusetzen, dass ich aber wirklich in Frankfurt an den Start gehen würde, das ahnte ich zunächst aber nicht.

Kurz-, Mittel- oder Langdistanz?

Ich habe mir in den Tagen und Wochen danach meine Gedanken gemacht, als erstes einmal über die Distanz, denn beim Triathlon gibt es ja nicht nur die 3,8/180/42,195er-Strecke, sondern auch noch eine Reihe kürzerer Distanzen. Auch diese hätten schließlich ein Ziel sein können. Allerdings schloss ich die kurzen Varianten relativ schnell aus. Als primäres Ziel kam nur die Langdistanz in Frage, was hauptsächlich daran lag, dass ich mir beispielsweise eine Kurz- oder Mitteldistanz (natürlich nach entsprechender Vorbereitung) zugetraut hätte; logischerweise ohne ein bestimmtes Zeitziel; eine Volldistanz nicht. Die lag außerhalb meiner Vorstellungskraft. Und genau das galt es herauszufinden: kann ich es trotzdem schaffen? Ist es möglich? Was ist das für ein Gefühl diese Finish Line zu erreichen und zu überqueren?

Langsamer Aufbau über Jahre oder gleich „von Null auf 226“?

Nachdem nun das Ziel geklärt war, galt es einen Termin zu finden. Eigentlich hatte ich es als sinnvoller erachtet, im Jahr 2008 erst einmal einen Marathon in Angriff zu nehmen und dann evtl. 2009 in Frankfurt an den Start zu gehen; vielleicht sogar eher 2010. Warum ich mich doch für die (unvernünftigere) schnellere Variante entschieden habe, hatte mehrere Gründe.

Ich bin vom Typ her jemand, für den gibt es entweder ganz oder gar nicht und wenn ich etwas mache, dann gebe ich dabei auch 200%. Leider hat das den Nachteil, dass ich diese 200% nur über einen gewissen Zeitraum halten kann, dann sackt das relativ schnell gen Null ab. Über mehrere Jahre das Training sukzessive für einen einzigen Tag aufzubauen, das wäre -glaube ich- nicht gegangen. Hinzu kommt der wohl wichtigste Punkt, nämlich dass ich selbständig bin, die Firma gut läuft und ich mir die Zeit somit auch sehr frei einteilen kann. Ich kann mir somit den Luxus gönnen, die Arbeit nach dem Training auszurichten und nicht, wie es normalerweise der Fall ist, das Training nach der Arbeit. Wer weiß, was in ein paar Jahren ist und ob ich mir dann noch diese Zeit hätte nehmen können. Weitere Gründe für die Teilnahme 2008 waren dann, dass Kollege Applejack auch wieder dabei sein wollte und der Ironman eine Woche vor meinem 30.Geburtstag stattfinden sollte. Ich konnte mir also selbst ein tolles Geschenk zum „runden“ machen…

Somit war dann auch die Teilnahme 2008 für mich beschlossene Sache, auch wenn Kritiker nun -zu recht- sagen, so eine Langdistanz sollte man sinnvoll über Jahre hinweg aufbauen, weil es sonst nicht gesund wäre. Ich glaube, jeder Orthopäde, jeder Kardiologe und jeder vernünftige Sportmediziner würde generell von einem Ironman abraten, ob mit einem oder mit mehreren Jahren Vorbereitung. Der Körper ist für solche Strapazen eigentlich nicht geschaffen. 😉

Anmeldung und erste Vorbereitungen

Nachdem nun feststand, dass ich es versuchen werde und auch schon im nächsten Jahr, meldete ich mich am 2.Juli 2007 für den nächsten Ironman in Frankfurt am 6.Juli 2008 an. Mir blieben somit 369 Tage und ein paar Stunden Zeit für die Vorbereitung.

Doch bevor es an das Training ging, brauchte ich erst einmal das passende Equipment. Was dazu alles gehörte und welche Kosten das insgesamt verursachte (die waren nicht gerade wenig), das kannst du im nächsten Kapitel lesen: