Daniel Rüd

Suchmaschinenoptimierung - Erfolgsabhängige Bezahlung

Da ich in diversen Foren immer wieder von Kunden den Wunsch lese, sie wollen einen Suchmaschinenoptimierer oder eine Agentur, die nach Erfolg abrechnet und dann jedesmal eine Diskussion losgeht, in der eine Hälfte der Anbieter sagt, es geht nicht, die andere Hälfte meint, es ginge, möchte ich hier einmal kurz erläutern, dass beide Systeme funktionieren, aber nur eines davon sinnvoll ist.

Die Landing-Page-Bastler

Diese Art von SEO-Agenturen ermitteln zunächst einige Suchbegriffe, die für die Website ihres Kunden interessant sind und erstellen kurze und knappe Texte, in denen die Suchbegriffe vorkommen. Für jeden Suchbegriff wird ein individueller Text erstellt.

Im zweiten Schritt wird das Layout der Kundenwebsite 1:1 nachgestellt, aber unter Berücksichtung der Bedürfnisse der Suchmaschinen. Soll heißen, die Seiten sehen genauso aus, wie die bisherigen des Kunden, sind aber zu 100% suchmaschinentauglich. Für jedes Keyword gibt es dann eine einzelne Seite, eine sogenannte Landing Page .

Die erstellen Webseiten werden dann von der Startseite des Kunden aus verlinkt und so den Suchmaschinen bekannt gemacht.

Man bezahlt in diesem Falle die Erstellung der Landing Pages, also Ermittlung der Keywords, Erstellung der entsprechenden Text sowie der suchmaschinentauglichen Seitenvorlage. Dazu gibt es noch einen kleinen Workshop, in dem der Kunde nochmal gesagt bekommt, was er selbst zusätzlich noch machen könnte, um ein besseres Ranking zu erzielen.

Danach wird eine erfolgsabhängige Bezahlung vereinbart: erreichen die von der Agentur erstellten Webseiten eine Top10-Platzierung wird ein bestimmter Betrag pro Top10-Keyword und pro Suchmaschine fällig. Die zu wertenden Suchmaschinen werden vorher bestimmt.

Zwar ist in Deutschland Google der absolute Marktführer, aber eine Optimierung wird immer für alle Suchmaschinen vorgenommen, auch die mit kleinerem Marktanteil. Das heißt, der Kundenwunsch, den ich auch schon oft gehört habe, nur für Google Geld zu verlangen, ist natürlich unfair, da auch die Platzierungen in anderen Suchmaschinen wie Yahoo und Windows Live gleichzeitig mit der Optimierung steigen.

Eigentlich hört sich dieses System wirklich toll an, denn es bietet -so wie die Anbieter schreiben- jede Menge Vorteile:

  • Die bestehende Website des Kunden wird nicht verändert
  • Durch die Landing Pages kann eine Top10-Position eindeutig der Agentur zugeordnet werden
  • Man bezahlt nur, wenn man auch in den Top10 steht.

Soweit so gut, aber das Problem dabei ist: keiner der Anbieter garantiert, dass die Seite überhaupt in die Top10 kommt. Aktiv tun sie -soweit mir bekannt- dafür so gut wie gar nichts bzw. recht wenig. Es werden nur ein paar Links zusätzlich auf die Landing Pages gesetzt, mehr aber auch nicht.

Die Firmen haben mit der Bezahlung der Landing Pages und des Workshops bereits gut verdient, alles was dann zufällig kommt und was der Kunde vielleicht selbst noch (getrieben vom Workshop) unternimmt um seine Plätze zu verbessern, kommt der Agentur zugute und ist ein Bonus.

Die Nachteile sind somit:

  • Keine Garantie, dass die Top10 jemals erreicht werden
  • In der Regel werden nur die Agenturseiten gut gelistet, die der bestehenden Website nicht
  • Um weitere Keywords abdecken zu können, bedarf es weiterer Landing Pages, die dann auch wieder Geld kosten

Die “richtigen” Optimierer

Während bei dem obigen System lediglich eine Hälfte der Suchmaschinenoptimierung geboten wird, nämlich die Onpage-Optimierung , widmet sich das andere System beiden Hälften.

Zum einen ebenfalls der Onpage-Optimierung, in dem die bestehende Website suchmaschinentauglich gemacht wird und die Texte -falls nötig- angepasst werden, zum anderen der weitaus wichtigeren Offpage-Optimierung , in dem dafür gesorgt wird, dass die Kundenwebsite ständig neue eingehende Links bekommt, die für eine gute Position in den Suchergebnissen unabdingbar sind.

Für die Onpage-Optimierung wird in der Regel, exakt wie beim anderen System, ein einmaliger Betrag fällig.

Für die Offpage-Optimierung ein monatlicher Betrag. Dieser hängt natürlich sehr stark davon ab, wie viele Links benötigt werden, um eine gute Position in den Suchergebnissen zu erreichen. Denn gute Links bekommt man nur selten umsonst, die meisten müssen vom Optimierer gemietet werden.

Die Nachteile für den Kunden bei diesem System liegen auf der Hand:

  • Man muss von Beginn an bezahlen, auch wenn die Top-Platzierung erst nach einigen Monaten erreicht wird
  • Es gibt keinerlei Sicherheit, bezahlt wird immer, auch wenn die Top-Position niemals erreicht wird.

Das klingt jetzt selbstverständlich aus Kundensicht nicht gerade verlockend, sieht man sich aber einmal genauer an, was man beim richtigen Optimierer geliefert bekommt, wenn er seinen Job gut erledigt, dann werden die oben genannten Nachteile schnel wieder wett gemacht.

Am einfachsten kann man das an einem Online-Shop verdeutlichen, der nur schlecht die Onpage-Kriterien erfüllt:

Will man nun bestimmte einzelne Produkte vorne stehen haben, dann würde der Landing-Page-Bastler einfach weitere Seiten erstellen, die dann vielleicht irgendwann einmal eine gute Platzierung erreichen.

Der Suchmaschinenoptimierer hingegen bringt erst einmal den kompletten Shop auf Vordermann und sorgt dann für die richtigen Links. Macht er seinen Job richtig, wird der Shop in seinem Gebiet eine echte Autorität, mit dem Vorteil, dass auch andere Produkte, mit denen der Kunde nicht unbedingt vorne stehen will, gut gelistet werden. Kommen neue Produkte hinzu, so haben diese in der Regel ebenfalls innerhalb kürzester Zeit ein sehr gutes Ranking. Bei den anderen Agenturen bräuchte man wieder neu erstellte Landing Pages, die dann viellecht irgendwann einmal gut gelistet werden.
Die Vorteile sind deshalb folgende:

  • Die Domain wird bei richtiger Optimierung eine Autorität, was bedeutet, dass alle Unterseiten eine recht gute Platzierung erreichen und somit viele zusätzliche Besucher kommen werden. Dieses Autoritätsphänomen kennt man von großen Websites, wie Wikipedia, Amazon, Idealo, Ciao, Heise, Spiegel, etc. Die Unterseiten dieser Domains findet man bei sehr vielen Begriffen in den Top10
  • Abdeckung weiterer Keywords kostet in der Regel nicht viel extra. Meist reicht schon das Hinzufügen in den Online-Shop.

Letztendlich muss sich jeder fragen, ob das “Sicherheitskonzept” der Landing-Page-Ersteller wirklich das richtige Mittel ist, denn um langfristig erfolgreich zu sein, muss die Domain stark sein und nicht eine einzelne oder eine Hand voll Unterseiten.

Weil ich es gerade bei Gerald gefunden habe und es recht passend ist, hier noch folgendes Zitat von John Ruskin (1819-1900):

Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Menschen.

Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas besseres zu bezahlen.

Veröffentlicht: Sonntag, den 24.September 2006

Kommentare zu diesem Blogposting

  1. 25. September 2006, 09:01 Uhr

    Jörg

    ein insgesamt interessanter artikel :-)
    aber auch landing pages können auf ppc-basis abgerechnet werden. und on-page eingriffe - zumindest für einen link auf die landing pages - brauchst du auch.

    übrigens würde ich die differenzierung zwischen dem “landing page bastler” und den “richtigen optimierern” so nicht formulieren.
    richtige beratungsleistung entsteht aus meiner sicht dann, wenn sowohl beim optimieren als auch beim tatsächlichen marketing (z.b. erstellung von produkt-microsites zu einem mailing -> mittel- / langfristiger aufbau eines link-netzwerks) unterstützt wird.

    vielleicht was interessantes für dich dabei?

    schöne grüße

    jörg

  2. 25. September 2006, 09:39 Uhr

    Dan

    Hi Jörg,

    sicherlich gibt es auch jede Menge Mischformen aus den beiden Systemen und diejenigen, die die Micro-Sites, Information-Sites oder wie sie sie auch noch nennen, auf die eigene Domain bauen, hab ich ja noch nicht einmal genannt. Und in manchen Fällen macht es ja auch Sinn, solche Landing Pages zu erstellen.

    Die Frage nach der erfolgsabhängigen Bezahlung kommt immer wieder und es gibt auch Agenturen, die dies anbieten. Warum die das können und andere nicht, wollte ich hier erläutern.

    Hab übrigens so einen tollen Fall auch schon gehabt:
    Der Kunde hat sich von einer großen bekannten SEO-Agentur ein paar Landing Pages für einige sehr umkämpfte Keywords basteln lassen, obwohl es eine Überarbeitung der bestehenden Seiten auch getan hätte. Diese wurden von seiner Hauptseite aus verlinkt, die SEO Agentur hat einen einzigen PR4-Link aus ihrem eigenen Netzwerk gespendet.

    Da die LPs nun nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, sollte ich zusätzlich einen Linkaufbau betreiben und die Onpage-Optimierung überarbeiten.

    Nach der Überarbeitung stellt sich das wie folgt dar: der Kunde steht in den Top10, bei einigen Begriffen sogar zweimal. Da wo er zweimal drin steht, sieht man an zweiter Stelle die Landing Pages, die übrigens von mir nicht direkt angelinkt wurden.

    Das heißt: dank dem Linkaufbau von mir verdient die Agentur jetzt auch noch was zusätzlich und laut Kunde, nicht gerade wenig.

  3. 1. Oktober 2006, 19:29 Uhr

    Frank

    Prima Artikel - Du hättest ihn z.B. auch die “Differenzierung zwischen Spezialisten & Profis” nennen können ;-)
    Nach Deiner Unterscheidung kann ich mich/uns zu den “richtigen” zählen - wobei ich neben tagesgenau abgerechneten Erfolgsprämien für Einzelkeys (laufende Offpage-Kosten bis die Top-10 erreicht sind, ist dann unser, allerdings überschaubares, “Risiko”) gerne auch rein umsatzabhängige Vereinbarungen mit Kunden treffe.

    Dies ist speziell mit Shop-Kunden (müssen natürlich Top-Produkte & Preise haben ;-)) sehr einfach argumentierbar und für beide Parteien eine klare win-win Situation.

    Das umsatzabhängige Modell ist für den Kunden sehr gut kalkulierbar, weil keine laufenden Kosten für ihn entstehen, bis der Umsatz tatsächlich aus Google generiert wird ;-)
    Und wenn alles passt, sind die laufenden Umsatz-Provisionen auch immer deutlich höher, als die (laufenden) Kosten des SEO´s für Linkaufbau ;-)

  4. 7. November 2006, 18:24 Uhr

    Yankee

    Sehr guter Artikel. Er trennt aber zu stark in Schwarz und Weiss. Dazwischen gibt es immer auch noch was. Entscheidend ist meistens nicht was der SEO will, sondern was er dem Kunden verkaufen kann. Meistens geben die Kunden ganz klar vor, was gewünscht wird. Microsites sind meist billiger als komplette Betreuung und bums verkauft man Microsites, nachdem man die Nachteile aufgezeigt hat.

    Erfahrende Kunden wissen genau was sie wollen. Denen kann man garnicht erst mit Microsites kommen. Den ist der Preis relativ egal. Die rechnen gleich den möglichen Erfolg gegen. Das geht wenn man weiss wo es hingeht.

    Erfolgsabhängige Abrechnung ist schön. Dann liegt das Risiko aber voll beim SEO. Kann ein Problem sein.

  5. 7. November 2006, 19:30 Uhr

    Daniel Rüd

    Danke, Yankee. Es war aber beabsichtigt, ein bisschen übertrieben in Schwarz und Weiß zu schreiben. Wie heißt es so schön “die Wahrheit liegt oft in der Mitte”?! ;)

 

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