Daniel Rüd

Suchmaschinenoptimierung: SEO-Methoden – Teil II

Anlass dieses Artikels war der Besuch einer Agenturseite, auf die ich über eine Adwords-Anzeige gestoßen bin. Zwar ist die angebotene Dienstleistung nicht so schlimm, wie das Angebot aus dem letzten Teil meiner SEO-Methoden-Serie, mir aber trotzdem einen Beitrag wert.

Es geht um den allseits bekannten Pauschalpreis-SEO, oder besser gesagt:

Suchmaschinenoptimierung zum Pauschalpreis

Generell spricht ja nichts gegen einen Pauschalpreis, wenn der Optimierer oder die Agentur weiß, um was es geht, was alles zu tun ist und deshalb auch recht genau einschätzen kann, wie groß der einmalige Aufwand sein wird.

Was ich allerdings für äußerst fragwürdig halte, ist ein Pauschalpreis ohne zu wissen, was überhaupt alles gemacht werden muss. Die Agentur über die ich hier schreibe nimmt jedenfalls pauschal 299,- EUR für eine Suchmaschinenoptimierung, ganz egal, um welchen Bereich es geht und ohne zu wissen, wie die aktuelle Website aussieht.

Darüber hinaus wird noch eine (optionale) monatliche Pauschale von 50,- fällig, die für Anpassungen und Reaktionen auf mögliche Algorithmus-Änderungen gedacht ist.

Warum ist solch ein Pauschalpreis mit Vorsicht zu genießen?

1) Onpage-Optimierung – Aufwand unbekannt

Ganz einfach: man stelle sich vor, jemand kommt zu der Agentur und hat eine typische “Herzlich-Willkommen-das-bin-ich-das-mach-ich-ruf-mich-an”-Website, möchte aber für alle möglichen Single-Keywords ranken. Mit einer vier Seiten starken Website, auf der meist nur -wenn überhaupt- auf der “das-mach-ich”-Unterseite mal ein oder zwei relevante Keywords vorkommen, ist es unmöglich bei trafficstarken kommerziellen Begriffen auf den vorderen Plätzen zu landen.

Was hier eindeutig fehlt, ist relevanter Inhalt. Das soll heißen: viele nützliche Informationen, in denen natürlich auch gesuchte Keywords und Keyword-Kombinationen enthalten sind und die auch für den Seitenbesucher einen Mehrwert darstellen.

Ich frage mich immer, warum -um mal ein konkretes Beispiel zu nennen- der Malermeister XY denn nur kurz schreiben muss, dass er Malerarbeiten anbietet und warum er nicht noch zusätzliche Informationen zur Verfügung stellt, wie z.B. welche Wischtechniken es gibt, welche Farben für welchen Untergrund man nehmen sollte etc. Auch ein Blog wäre denkbar, in dem bspw. über die neuesten Produkte (Farben, Pinsel, etc.) auf dem Markt berichtet wird, inkl. persönlicher Meinung vom Fachmann.

Mit so vielen Informationen zeigt man eindeutig, dass man sein Fach beherrscht und meist erlebt der Besucher einen A-Ha-Effekt: er merkt nämlich, dass die ganze Aufgabe doch nicht so einfach ist, wie er dachte, dass sehr viele Dinge berücksichtigt werden müssen und die Arbeit somit bei einem Fachmann besser aufgehoben ist.

Und an wen denkt er da sofort? Natürlich an denjenigen, der ihm die Augen geöffnet hat und ihn diese wichtigen Punkte genannt hat.

Und ein weiterer Vorteil: mit so vielen nützlichen Informationen und Inhalten kann man auch Google davon überzeugen, dass man zu recht auf die vorderen Plätze in den Suchmaschinen gehört.

Lange Rede, kurzer Sinn: so viele Inhalte kann der Suchmaschinenoptimierer unmöglich für 299,- EUR schreiben, ganz abgesehen davon, dass ihm meist dazu auch das nötige fachliche Know-How fehlt.

Sind die Inhalte bereits da, wie z.B. bei einem Online-Shop mit tausenden von Produkten inklusive der Produktbeschreibungen und ist das Shopsystem eine komplizierte Eigenentwicklung irgendeiner kleinen Softwareschmiede, die von Suchmaschinentauglichkeit noch nie etwas gehört hat, dann hat der Optimierer zwar kein Problem mit den Inhalten, dafür aber jede Menge Arbeit mit der Shop-Software. Erst einmal braucht er eine Weile um sich ein komplettes Bild über die Anwendung machen zu können, zweitens müssen alle Punkte, die geändert werden müssen, festgehalten werden und drittens muss das Shopsystem dementsprechend angepasst werden; im schlimmsten Falle komplett geändert oder ersetzt werden.

Auch das ist keine Arbeit, die man für 299,- EUR erledigen kann…

2) Suchbegriffe und -kombinationen – Wettbewerbssituation völlig unbekannt.

Jedem Unternehmer mit eigenem Internetauftritt, der mit dem Gedanken spielt, sich seine Präsenz optimieren zu lassen, sollte sich darüber im Klaren sein, dass -wie auch in der Offline-Welt- ein Konkurrenzkampf um die besten Plätze herrscht und natürlich auch, dass dieser Konkurrenzkampf in unterschiedlichen Branchen auch mit unterschiedlichem Aufwand betrieben wird. In der Regel ist es doch so: je mehr Kohle verdient werden kann, desto mehr Leute wollen von dem Kuchen etwas ab haben und desto härter wird um die vorderen Positionen gekämpft.

Wie kann eine seriöse Agentur nun pauschal ein Angebot machen, ohne zu wissen, welche Wettbewerbssitutation bei den jeweiligen Suchbegriffen herrscht?

Gar nicht! Es sei denn, die Agentur optimiert die Website des Kunden einmalig, kassiert das Geld legt die Steigerung des Rankings von Platz 978 auf Platz 872 als erfolgreiche Optimierungsarbeit aus. Dabei dürfte jedem klar sein, dass Platz 872 genauso viel Besucher bringt, wie Platz 987, nämlich gar keine. Oder hast du dich schon einmal bis auf Seite 88 in den Suchergebnissen durchgeklickt?

Bewertung

Vorteile dieser Methode

  • Ich sage mal so: für 299,- EUR kann der Optimierer nicht viel bieten und deshalb wahrscheinlich auch nicht viel kaputtmachen.
  • Helfen wird der Optimierer sicherlich den kleinen oben bereits genannten Standard-Internetauftritten bei zweier oder dreier Keywordkombinationen. Diese bekommen evtl. dank der besseren Suchmaschinentauglichkeit der Webpräsenz ein paar Besucher mehr über den Long Tail. Aber dazu hätte es mit einer suchmaschinenfreundlichen Website keinen SEO gebraucht.

Nachteile dieser Methode

  • In meinen Augen ist das Geld zum Fenster herausgeworfen, denn gerade in umkämpfteren Gebieten dürfte der Positionsgewinn nur minimal sein und ob man auf Seite 4, Seite 14 oder auf Seite 40 steht, kommt trafficmäßig so ziemlich auf das gleiche heraus.
  • Auch die monatlichen Kosten für die Betreuung sind Blödsinn. Google ändert nicht monatlich den Rankingalgorithmus und in der Regel betreffen die Änderungen der Faktoren überwiegend nur die externen Faktoren (die in dem Angebot wohl nicht abgedeckt sind). Ist die Seite onpage einmal richtig optimiert, braucht man da so gut wie gar nicht mehr Hand anlegen.

Meine Meinung

… kommt ja schon in den Vor- und Nachteilen zur Sprache. Ich halte das Angebot absolut für Blödsinn, denn es wird nicht den Erfolg einbringen, den der Kunde höchstwahrscheinlich erwartet. Ich könnte mir aber vorstellen, dass der ein oder andere Kleinunternehmer sich sagt: “Hey, das ist ja mal ein Angebot, das in mein Budget passt” und deshalb darauf anspringt, allerdings glaube ich kaum, dass der sich -dank dem Long Tail- über monatlich 200 Besucher mehr auf seiner Website freut.

Die könnte er übrigens bei 25 Cent durchschnittlichem Klickpreis auch für 50,- EUR im Monat über Adwords-Werbung holen und dabei hätte er sogar die einmaligen 299,- EUR gespart… ;-)

Übrigens, sehr geil finde ich den Satz in der Leistungsbeschreibung des Anbieter:

“Kontrolle ist gut, vertrauen ist besser!”

Der wohl beste Leitspruch für einen SEO… *rotfl*

Frage an euch: Was haltet ihr von dieser Methode?

Veröffentlicht: Donnerstag, den 2.August 2007

Kommentare zu diesem Blogposting

  1. 2. August 2007, 08:16 Uhr

    SEOnaut

    Ich glaube der Trackback ist nicht angekommen. Aus diesem Grund hier ausnahmsweise mal ein Link zu meiner Stellungnahme im Bezug auf das Thema http://www.seonauten.com/wie-ich-seo-arbeit-abrechne/ 

  2. 3. August 2007, 01:04 Uhr

    Daniel Rüd

    @Marco: der Trackback kam schon an, danke übrigens, allerdings hatte Akismet wohl was gegen ihn und auch gegen deinen anschließenden Kommentar. Keine Ahnung, warum.

    Bzgl. deines Statements, dass es in Einzelfällen doch möglich ist, für 299,- EUR zu optimieren.

    Dem würde ich nur zustimmen, wenn es sich um reine Beratungsdienstleistung handelt.

    Wenn die Seite des Kunden eine gute Linkpower hat, allerdings so gut wie keine Onpage-Optimierung, dann macht man kleine Analyse, schreibt die Punkte auf, die verbessert werden müssen und der Kunde macht die Umsetzung alleine mit seiner Webagentur aus. Da die Linkpower ausreichend vorhanden ist und durch die Änderung die Inhalte auch vollständig erfasst werden können, kann man in diesem Ausnahmefall auch entsprechend schnelle und gute Resultate sehen.

    Selbst Hand anlegen ist für 299,- EUR mE nicht drin… wobei das immer davon abhängt, was man selbst als Stundenlohn haben möchte… Wer mit 2,99 EUR die Stunde zufrieden ist, der kann wohl ausreichend Zeit investieren. ;-)

  3. 8. August 2007, 21:24 Uhr

    knt

    299€ incl. onPage-Optimierung + Link-Arbeit?
    Da kann doch fast nur einfügen von Meta-Tags und das automatische Spammen diverser Kataloge und Bookmark Services enthalten sein – ernsthafte SEO Arbeit macht jedenfals deutlich mehr Arbeit.

    Das fängt schon bei den Keywords an – die meisten Keywords mit denen die Kunden kommen sind Übergattungs-Begriffe mit einem misserablen Verhältniss zwischen Aufwand und Nutzen. Also: Kategorisierung des Themenbereichs, Suche nach Schlagworten und Synonymen, Recherche der Suchhäufigkeit, Analyse des Optimierungs-Aufwandes, Übersicht, Präsentation, Beratung…

    Sind wir immer noch innerhalb der 299€?

    Bei der onPage Optimierung gehts weiter – mehr als die Hälfte der WebSeiten sind SCHROTT aus den 90zigern.

    Die meisten davon redet um den heißen Brei herrum – als Beispiel mögen hier Menüpunkte wie “Leistungen”, “Produkte” oder “Über uns” dienen.

    Die Seiten die Tacheles reden, üben sich in geleerten(sic!) Fachausdrücken anstatt das Thema aus Kundensicht und in Kundensprachesprache zu behandeln. Ich hatte mal einen Arzt, auf dessen Seite das Wort “Arzt” nicht einmal vorkam! Umfangreiche Restrukturieren und Textarbeit sind die Folge!

    Sind wir immer noch innerhalb der 299€? Ich hab noch nicht mal an die Links gedacht!

    Also ich finde so ein Pauschal-Angebot höchst unseriös. Die 299€ kann man wirklich sparen und AdSense-Klicks kaufen – oder einen professionellen SEO angagieren ;)

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